Vier Reiseenduros im Vergleich: Wie schlägt sich die R 1300 GS gegen KTM, Ducati und Triumph?

Vier Reiseenduros im Vergleich: Wie schlägt sich die R 1300 GS gegen KTM, Ducati und Triumph?
Die Klasse der großen Reiseenduros war selten so spannend besetzt wie gerade jetzt. Vier Hersteller schicken ihre jeweils aktuellsten Flaggschiffe ins Rennen, und ein aktueller Vergleichstest bringt sie auf denselben Nenner: die BMW R 1300 GS, die KTM 1390 Super Adventure S Evo, die Ducati Multistrada V4 S und die Triumph Tiger 1200 Rally Pro. Getestet wurde dort, wo diese Motorräder tatsächlich zuhause sind: auf kurvigen Passstraßen, im zähen Alltagsverkehr und auf grobem Schotter.
Vier völlig unterschiedliche Charaktere
Was diesen Vergleich so aufschlussreich macht, ist, wie unterschiedlich die vier Konzepte trotz ähnlicher Zielsetzung ausfallen. Die R 1300 GS setzt weiterhin auf den Boxer-Zweizylinder mit seiner tiefen Schwerpunktlage, kombiniert mit dem neuen, deutlich kompakteren Rahmenkonzept und der Verstelltechnik der Optionspakete. KTM kontert mit dem giftigen V2-Charakter der 1390 Super Adventure, Ducati bringt die Laufkultur und Drehfreude des V4-Granturismo-Triebwerks ins Spiel, und Triumph setzt mit dem Dreizylinder auf eine Mischung aus sattem Sound und geschmeidiger Kraftentfaltung.
Für Fahrer, die aus der großen GS-Welt kommen, ist genau das der spannende Punkt: Die R 1300 GS muss sich hier nicht verstecken, tritt aber auch nicht als automatischer Sieger an. Jedes der vier Motorräder hat im Test klare Stärken gezeigt, die je nach Einsatzzweck unterschiedlich schwer wiegen.
Handling: Wo die GS ihre Trümpfe ausspielt
Beim Handling zeigt sich, wie konsequent BMW das neue Rahmen- und Fahrwerkskonzept der R 1300 GS durchdacht hat. Der tiefere und weiter vorne liegende Schwerpunkt sorgt für ein Fahrverhalten, das sich leichter anfühlt, als es das Gewicht auf dem Papier vermuten lässt. Gerade beim Handling im Wechsel zwischen enger Bergstraße und offenem Geläuf gilt die GS im Test als eine der agilsten im Feld, dicht gefolgt von der KTM, die mit ihrem WP-Fahrwerk und der geringfügig sportlicheren Geometrie noch eine Spur direkter reagiert. Ducati und Triumph sind im direkten Vergleich spürbar behäbiger unterwegs, was aber ihrem jeweiligen Comfort- und Tourenanspruch entgegenkommt.
Komfort und Alltag
Im Alltag, also auf der Autobahn, im Stadtverkehr und bei längeren Etappen, punktet die R 1300 GS vor allem mit ihrer bekannt guten Sitzposition und dem inzwischen sehr ausgereiften Elektronikpaket. Wer die entsprechenden Ausstattungslinien wählt, bekommt adaptives Fahrwerk, ein übersichtliches Cockpit und eine Windschutzscheibe, die sich im Test als eine der wirkungsvollsten im Feld erwies. Die Triumph Tiger 1200 Rally Pro spielt hier ihre Stärken ebenfalls aus, mit einem angenehm laufruhigen Dreizylinder und einer für die Rally-Variante überraschend komfortablen Langstreckentauglichkeit. Die Ducati Multistrada bleibt mit ihrem sehr durchzugsstarken V4 alltagstauglich, wirkt im Testfeld aber am ehesten wie das Motorrad mit dem sportlichsten Anspruch.
Motor und Bremsen
Beim Thema Motorcharakter zeigt sich, wie unterschiedlich die vier Konzepte gedacht sind. Der Boxer der R 1300 GS liefert seine Kraft weiterhin sehr linear und gutmütig, was besonders auf wechselndem Untergrund Vertrauen schafft. Die KTM 1390 Super Adventure S Evo geht spürbar giftiger zu Werke und verlangt etwas mehr Feingefühl am Gasgriff, während die Ducati mit ihrem V4 die meiste Literleistung auf die Kurbelwelle bringt. Bei den Bremsen liegen alle vier auf einem hohen, modernen Niveau, wobei die Tester der Bremsanlage der R 1300 GS eine besonders gute Dosierbarkeit bescheinigen, gerade im Zusammenspiel mit dem serienmäßigen ABS Pro.
Schotter: die Königsdisziplin
Auf grobem Untergrund zeigt sich schließlich, wofür diese Motorräder ursprünglich einmal entwickelt wurden. Hier punktet die R 1300 GS mit dem tiefen Schwerpunkt und der bekannt guten Rückmeldung des Fahrwerks, muss sich im direkten Vergleich aber der KTM geschlagen geben, die dank ihrer etwas enduro-lastigeren Auslegung im Testfeld die Nase vorn hat. Ducati und Triumph liegen dazwischen, wobei die Tiger 1200 Rally Pro mit ihren längeren Federwegen und der geländetauglicheren Bereifung ab Werk näher an KTM und BMW heranrückt als die eher straßenorientierte Multistrada.
Fazit
Ein klarer Gesamtsieger lässt sich aus diesem Vergleich nicht ableiten, und genau das macht ihn so lesenswert. Die R 1300 GS bestätigt im direkten Vergleich mit drei sehr ernstzunehmenden Konkurrenten, warum sie nach wie vor als Referenz der Klasse gilt: ausgewogenes Fahrwerk, gutmütiger Motor und ein Elektronikpaket, das im Alltag wie auf Reisen zuverlässig funktioniert. Wer maximale Geländeperformance sucht, findet in der KTM das etwas kompromisslosere Werkzeug. Wer lieber mit sattem V4-Sound unterwegs ist, greift zur Ducati. Und wer den Dreizylinder-Charakter schätzt, ist mit der Triumph gut bedient. Für alle, die aus der großen GS-Welt kommen, bleibt aber klar: Die R 1300 GS spielt in diesem starken Feld weiterhin ganz vorne mit.