Stilfserjoch - und viele weitere Kurven
Es juckte mich gewaltig, heute ein paar Pässe in Angriff zu nehmen. Guter Wetterbericht, gute Reifen, da kann ja eigentlich nichts schief gehen. Also früh die Q satteln und ab auf die Autobahn in Richtung Bündnerland. In der Raststätte Heidiland dann die erste Pause mit Tanken für Mensch und Maschine - ein Kaffee wirkt einfach Wunder. Dann weiter bis Chur und hoch auf die Lenzerheide. Wenig Verkehr, gute Strassenverhältnisse, da lacht das Biker-Herz. Mit dem Ziel Flughafen Samedan fuhr ich über den Julierpass. Zum warmwerden sind die weiten Bögen der gut ausgebauten Julierpassstrasse einfach ideal. Und der Verkehr, der bereits unterwegs war, konnte man so gefahrenlos überholen. Im Engadin begrüsste mich dann die bereits schon ziemlich hoch stehende Sonne und auf dem Flughafen gönnte ich mir eine Pause, während die Rega gut 2 Einsätze flog und nebst der weiteren Routenplanung für etwas Unterhaltung sorgte. Das Stilfserjoch wollte ich heute ‘bezwingen’, ein Unterfangen welches ich mir bereits nach Abschluss der Fahrprüfung vornahm. Liest man doch vieles über das Stilfserjoch, auch für die grosse MOTORRAD-AlpenChallange ist die Gegend dort Testgebiet. Also das Oberengadin nach unten bis nach Zernez - ist aber eine spannendere Strecke als angenommen, ein paar Kurven sind auch dabei. In Zernez dann in Richtung Süden abbiegen und dann gehts über den Ofenpass. Dieser führt durch einige Teile des Nationalparkes, entsprechend schön ist auch der Blick neben die Strasse. Noch immer trockene Strassen, der Verkehr hat jedoch merklich zugenommen. Dennoch komme ich einigermassen flüssig bis nach Münster. Mitten im Dorf befindet sich die Abzweigung zum Umbrailpass, welche ich dann auch erfolgreich fand und gleich abbog. Was danach folgte war eine Fahrt genau nach meinem Geschmack, enge Strassen, noch einigermassen geteert mit unzähligen engen Kurven und Kehren. Einfach herrlich, dazu noch diese Aussicht, wobei viel Zeit diese zu geniessen blieb mir dann nicht, wechselte dann weiter oben der Belag von Teer auf Kies. Im Kiesfahren bin ich noch nicht so geübt, vor allem für die Spitzkehren auf Kies musste ich mich schon sehr konzentrieren. Ich war nicht unglücklich, als weiter oben nach der Brücke wieder Teer zum Vorschein kam. Die letzten Kurven bis zum ‘Zoll’ war dann reines geniessen, griffiger Teer, dazu eine schöne Aussicht auf die Landschaft. Allerdings wirkt diese im ersten Moment etwas trostlos, ist es doch mit einer ‘Steinwüste’ vergleichbar. Dann einbiegen auf die Strasse hoch zum Stilfserjoch. Willkommen in Italien:-) die paar Kehren nach oben nahm ich gutgelaunt in Angriff, irgendwie zu gut dass mir dann in der drittletzten Kehre ein Fehler unterlief. Ich fahre gerne eine sehr runde Linie und nutze dann meine Strassenhälfte auch gerne aus. Leider hatte der gute Chris den Kies am Rand übersehen. Vor mir ein Velofahrer und ein entgegenkommendes Wohnmobil, also wartete ich am Rand bis Platz für mich da war. Und während dem Warten bin ich auf dem Kies und Sand am Rand der Strasse ausgerutscht und lag eine halbe Sekunde später neben meiner Roadster auf der Strasse:-( Zum Heulen, leider war sie nach links gekippt, auf die bisher ‘unbeschädigte’ Seite. Danke an der Stelle noch an den Velofahrer für die Hilfe beim aufstellen. Mann hat mich das geärgert. Aber dann aufschwingen und die paar Kehren noch hoch auf die Passhöhe. Dann Mopped auf dem Parkplatz hingestellt, Helm ab und kurz alles kontrollieren. Ausser einem nun auch links zerkratzten Zylinderkopfdeckel ist nix passiert - und ein gewaltiger Kratzer am Ego des Fahrers:-).
Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter in Richtung Livigno wieder mit Ziel Engadin. Die Fahrt hinunter war schön, einige Kehren waren zu meistern. Ungewohnt für mich die rostfarbenen Leitplanken, passten aber gut in die Landschaft. Der Weg nach Livigno führte dann über 2 kleine Pässe. Interessante Gegend, leider auch etwas viel Verkehr. Ich genoss auf alle Fälle die weiten Kurven und liess die Rasten mal wieder etwas kratzen. In Livigno angekommen suchte ich dann den direktesten Weg zum Zoll in Richtung Berninapass, blieb dann aber bei einem Kaffee hängen und genoss noch einen italienischen Cappuccino. Am Schweizer Zoll wurde eine Töffgruppe kontrolliert, offenbar habe ich dann so vertrauenserweckend dreingeschaut dass ich gleich durchgewunken wurde. Die anschliessende Fahrt über den Berninapass war gemütlich, da diese Strecke sehr übersichtlich und gut ausgebaut ist muss man immer mit einem Auge auf dem Tacho unterwegs sein. Kurz nach Pontresina entschied ich mich dann, nicht über den Julier zurückzufahren sondern die Roadster über den Albula zu lenken. Sie möge es mir verzeihen wegen der schlechten Strasse, aber ich fuhr ein dementsprechend gemütliches Tempo. Unterhalb der Passhöhe auf der Westseite legte ich dann die nächste Pause ein, mit O-Saft und Sandwich lag ich in der Wiese und genoss die Sonne und liess mich von den vorbeifahrenden Töffs unterhalten. Retour gings dann wieder über die ‘Heide’ (Lenzerheide) und dann auf die Bahn in Richtung Zürich. Kurz vor Sargans hatte ich jedoch genug von Autobahn und bog ab in Richtung Bodensee. Kurz nach Buchs gings dann runter von der Bahn und dann im Westen hoch nach Wildhaus. Hinter 2 Österreichischen Bikern und zwischen ca. 10 Autos war die Fahrt dann nicht so spannend, wie das die Strecke zulassen würde, aber nach dem heutigen Tag war mir das eigentlich auch egal. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichtete ich dann auf Schwägalp/Hemberg und fuhr direkt runter nach Wattwil und anschliessend über die Hulftegg ins Tösstal. Anschliessend noch in Turbenthal voll tanken, schliesslich sollte es morgen ja weitergehen.