R 1150 GS kaufen: Worauf du bei der Besichtigung achten musst
R 1150 GS kaufen: Worauf du bei der Besichtigung achten musst
Die R 1150 GS aus den Jahren 2000 bis 2004 gehört zu den beliebtesten Gebrauchtmotorrädern in der GS-Welt - und das zu Recht. Der luftgekühlte Boxer mit 85 PS, der Kardanantrieb und die bewährte Telelever-Gabel ergeben ein Paket, das auch nach über 20 Jahren noch überzeugt. Wer aber ein Exemplar kaufen möchte, sollte bei der Besichtigung ein paar konkrete Punkte im Kopf haben. Denn wie bei jedem älteren Motorrad gilt: Der Teufel steckt im Detail.
Kardanantrieb und Hinterradlager zuerst prüfen
Das ist der wichtigste Prüfpunkt bei jeder älteren GS mit Kardanantrieb - und der erste, den du angehen solltest, bevor du überhaupt weiter schaust. Stell die Maschine auf den Seitenständer, greif ans Hinterrad und prüfe, ob es seitliches Spiel hat. Etwas Spiel im Kettentrieb gibt es nicht - hier ist Direktantrieb. Spürbares Wackeln deutet auf ein verschlissenes Hinterradlager oder Spiel im Kardananschluss hin. Beides ist im Einzelfall reparierbar, aber teuer. Wenn das Spiel deutlich ist: Finger weg, oder zumindest den Preis entsprechend verhandeln.
Gleichzeitig prüfst du am besten den Übergang zwischen Gelenkwelle und hinterem Kardanteil - also den Bereich, wo die Welle in das Hinterradgetriebe übergeht. Ölspuren an genau dieser Stelle deuten auf eine undichte Simmerring-Dichtung hin. Das ist keine Katastrophe, aber ein Reparaturposten, den du einkalkulieren musst. Frisches Öl bedeutet: es läuft gerade aus. Ein alter eingetrockneter Ölfilm kann auch einfach ein Überbleibsel eines längst reparierten Problems sein - nachfragen und Beleg verlangen.
ABS II oder Integral-ABS?
Die R 1150 GS war in zwei ABS-Varianten erhältlich. Das ABS II ist das einfachere System ohne Bremskraftverstärker - die Bremsen funktionieren hier konventionell hydraulisch, das ABS greift nur im Blockierfall ein. Diese Variante ist wartungsärmer und im Defektfall günstiger zu reparieren.
Das spätere Integral-ABS (auch EVO-ABS genannt) verfügt zusätzlich über einen Bremskraftverstärker, der die Bremskraft zwischen Vorder- und Hinterrad verteilt. Das System funktioniert im Prinzip gut, ist aber deutlich komplexer - und wenn es Probleme macht, wird es teuer. Werkstätten, die das noch sicher warten können, werden weniger. Ein Modell mit ABS II ist für viele Käufer deshalb die unkompliziertere Wahl, gerade wenn man nicht in unmittelbarer Nähe einer gut ausgerüsteten BMW-Werkstatt wohnt.
Überprüfe beim Test, ob das ABS sauber anspricht - und ob keine ABS-Fehlerleuchte auftaucht. Lass dir beim Händler oder Privatverkäufer idealerweise die ABS-Fehlergeschichte aus dem Bordcomputer auslesen.
Was du sonst noch checken solltest
Ventildeckeldichtungen: Der Boxer schwitzt gerne an den Ventildeckeln. Leichte Öl-Schlieren sind tolerierbar und normal für das Alter, starke Leckagen weniger. Schau genau hin - frisches Öl läuft, eingetrocknetes klebt.
Gabelstangenoberfläche: Die Telelever-Gabel ist robust, aber die Tauchrohre können Rost ansetzen oder Riefen haben, besonders wenn das Motorrad lange stand oder schlecht gepflegt wurde. Das zerstört Dichtringe und kostet Geld.
Drosselklappengehäuse und Synchronisation: Die doppelte Drosselklappe (Motronic-Motorsteuerung) muss synchronisiert sein. Unrunder Leerlauf, Ruckeln bei moderaten Drehzahlen oder schlechtes Ansprechverhalten können Hinweise sein. Das lässt sich mit einem Drosselklappenbalancer einstellen - aber nur, wenn die Gehäuse selbst in Ordnung sind.
Elektrik: Kabelbaum, Steckverbindungen und Relais haben nach 20 Jahren und mehr gelegentlich Altersprobleme. Prüfe alle Lichter, den Blinker, das Cockpit. Seltsame Aussetzer sollten misstrauisch machen.
Rahmen und Hauptständer: Schau auf Risse im Rahmen um die Motoraufnahme und an der Hauptständerhalterung. Die R 1150 GS trägt viel Last und wurde oft beladen bewegt. Auch Schweissspuren als Hinweis auf frühere Reparaturen sind ein Warnsignal.
Kilometerstand vs. Zustand: 45.000 km auf einer gut gepflegten R 1150 GS ist gar nichts - das Motorrad läuft bei ordentlicher Wartung problemlos über 150.000 km. Aber vernachlässigte 30.000 km können mehr kosten als gepflegte 80.000. Lass dir Wartungsnachweise zeigen, idealerweise mit regelmässigen Öl- und Filterwechseln.
Probefahrt nicht vergessen
Sag das dem Verkäufer ruhig direkt: Du willst fahren. Achte auf sauberes Schaltverhalten, gleichmässigen Lauf beider Zylinder, keine undefinierbaren Vibrationen und vor allem auf das Bremsverhalten.
Fazit
Die R 1150 GS ist ein ehrliches Motorrad. Wer sich die Zeit nimmt, sie gründlich zu prüfen - und wer weiß, wo er hinschauen muss - findet in ihr einen zuverlässigen Reisebegleiter, der auch heute noch auf jedem Terrain überzeugt. Kardanbereich, Öldichtigkeit und ABS-System sind die drei Hauptpunkte. Den Rest bekommst du mit einem gesunden Misstrauen und einer guten Probefahrt gut in den Griff.